Traditioneller Holzhausbau – Das Naturstammhaus
Als ursprünglichste Blockhausart wird das Naturstammhaus angesehen. Diese Bauart ist heute noch in Amerika und Kanada weit verbreitet. Das Naturstammhaus wird individuell, nach Handwerkstradition in Handarbeit gefertigt.
 |
| Abbildung: Naturstammhaus 280mm mit Ständergiebel |
Holzwahl
Bei den verwendeten Holzarten für ein Naturstammhaus bestehen je nach Region Unterschiede. Fichte, Tanne und Kiefer werden häufig genutzt.
Bevorzugt werden Hölzer aus nördlichen Regionen Europas, da sie einen höheren Harzanteil besitzen, dadurch witterungsbeständiger sind, und bedingt durch ein langsameres Wachstum eine höhere spezifische Dichte aufweisen.
Es ist darauf zu achten, dass die Stämme einen geraden Wuchs und geringe äußerliche Schäden vorweisen.
 | | Abbildung: Entrindung mit Ziehmesser |
| | Nach der Entrindung zeigt der Stamm seine Rundung und eventuelle Fehlstellen können mit dem Ziehmesser entfernt werden. Da das Holz gleichzeitig mit der Entrindung seine natürliche Schutzschicht (das Kambium) verliert, wird das Holz mit natürlichen Holzschutzmitteln wie Leinbalsam oder Ölen behandelt. Der Abbund des Stammes erfolgt per Motorsäge, Winkelschleifer, Sciber, Stechbeitel oder Axt. Bei der Planung und Erstellung eines Naturstammhauses ist auf die Besonderheiten dieser Bauart zu achten. Da die natürlichen Eigenschaft des Holzes, das Schwinden und Arbeiten, und die Bauweise, übereinander gestapelter Elemente, eine Setzung des Gebäudes von mehreren Zentimetern nach sich ziehen kann müssen jegliche Leitungen in dem Gebäude mit gelenkigen Anschlüssen ausgeführt werden. |
| | | |
Selbiges gilt für die Anschlüsse des Daches sowie von Fenstern und Türen. Im Fenstersturzbereich muss stets ein gedämmter Setzraum vorhanden sein, damit bei einem Setzen des Hauses die Fenster und Türen nicht aus der Wandöffnung gedrückt werden.

| |  |
Abbildung: Setzraum über Fensterrahmen | | Abbildung: gelenkiger Anschluss Installationsleitungen |
Es ist ebenso darauf zu achten, dass elektrische Leitungen und Steckdosen ausreichend vorhanden sind, da sie nur schwer nachträglich eingerichtet werden können. Statisch sind Außenwände aus Naturstämmen überdimensioniert. Schon geringe Außenwanddicken von 20cm können die Anforderungen an die Statik und der Bauphysik erfüllen.
Aus ästhetischen Gründen werden Naturstammhäuser meist mit einem Stammdurchmesser von 35 – 45cm gebaut. Erheblichen Einfluss auf die Stabilität haben die Eckverkämmungen. Es wird empfohlen alle 5m eine Außenwand mit einer Innenwand zu verbinden um das Gebäude auszusteifen. Dies kann durch eine Zwischenwand oder einen Wandstummel geschehen.
Verkämmungen
Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Arten entwickelt, eine Eckverkämmung auszubilden. Im Folgenden werden geläufige Verkämmungen vorgestellt.
 | | Abbildung: Wandaufbau mit Rundkerbe, "Round Notch" |
| | „Round Notch“ – Rundkerbe Die „Round Notch“ entstand aus der einfachsten Art der Verschränkung. Mit einer Kettensäge und einem Stechbeitel wird auf der Unterseite des Stammes eine Rundung ausgeschnitten. Durch die Verwendung des Stechbeitels erfordert die Fertigung der „Round Notch“ einiges an Übung und Arbeitaufwand. |
| | | |
 | | Abbildung: Sattelkerbe "Saddle Notch" |
| | „Saddle Notch“ – Sattelkerbe Bei der Sattelkerbe werden im oben- und untenliegenden Stamm Kerben gefertigt. Die so entstandenen Aussparungen fügen sich auf den Sattel des tiefer liegenden Balkens. |
| | | |
 | | Abbildung: Außenwandecke mit Schwalbenschwanzverkämmung |
| | „Dovetail“ – Schwalbenschwanz Diese Art der Verkämmung wird meist in Russland und den skandinavischen Ländern benutzt. Auch im Tiroler Raum kann man diese Verkämmung finden, dort wird sie allerdings Tiroler Schloss genannt. Sie wird vor allem bei Vierkantbohlen verwendet. |
| | | |
Moderner, industrieller Blockhausbau
Die Entwicklung hin zum industriell gefertigten Blockbau begann um 1950 herum in Finnland. Man suchte damals nach Wegen den Produktionsprozess zu beschleunigen. Dadurch setzte aber auch die Weiterentwicklung des Produktes Wohnblockhaus in seiner Gesamtheit ein. In den 70er und 80er Jahren wurden erste Lösungen für Probleme der Luftdichtigkeit, der Bauphysik und der Statik erarbeitet. Eine Entwicklung, die heute noch anhält.
Lesen Sie mehr zur Geschichte des Blockhausbaus
Prinzip
Durch Vortrocknung des Holzes und computergesteuerte Abbundanlagen können Blockhausbohlen mit einer hohen Maßgenauigkeit hergestellt werden. Die Qualität der Anschlüsse und Eckverkämmungen ist deutlich gestiegen. Durch die industrielle Fertigung des Blockhauses und seine Lieferung als eine Art Baukastenprinzip kann das Gebäude innerhalb weniger Tage aufgestellt werden und ist dadurch in relativ kurzer Zeit wetterfest. Durch diese Industrialisierung des Wohnblockhausbaus wurde diese Art des Bauens zum Massenprodukt. Hersteller verkaufen zum teil komplette, identische Bausätze.
Die moderne Produktionsweise bietet jedoch auch die Möglichkeit, Blockhäuser individueller zu planen und Eckausbildungen passgenau anzufertigen. Man ist nicht mehr gezwungen, einen rechteckigen Grundriss für ein Blockhaus zu wählen. Verkämmungen können in verschiedensten winkeln hergestellt werden. Zudem wird die Arbeitszeit auf der Baustelle enorm verkürzt, da die Verkämmungen nicht mehr per Hand hergestellt werden müssen. Der Blockhausbau wird dadurch erschwinglicher. Die meisten Firmen bieten Rund- und Vierkantprofile an.

Abbildung: Links: Kantbohle, mittig: Rundbohle, rechts: Hobelbalken
 | | Abbildung: Verleimte Vollblockwand |
| | Wandaufbauten Auf Grund des Mindestwärmeschutzes bieten mittlerweile viele Firmen verstärkt doppelschalige Wandaufbauten an, da diese sehr gute Dämmeigenschaften besitzen. Im industriellen Blockhausbau kann man jedoch in verschiedene Wandaufbauten unterscheiden. Im Folgenden werden die am häufigsten verwendeten Wandarten kurz vorgestellt. Vollblockwand Der Wandaufbau besteht aus einer Schicht übereinander gestapelter Vierkantbohlen. Diese werden über ein Nut- und Federnsystem vertikal ausgerichtet. Die Wandstärken variieren hierbei, von 160mm bis 270mm. |
| | | |
Rundbohlenwände
Der Wandaufbau besteht aus einer Schicht übereinander gestapelter Rundholzbohlen, die über eine sichelförmige Aussparung vertikal ausgerichtet werden.
Die Wandstärken variieren bei diesen Profilen stark. Der kleinste derzeit verbaute Durchmesser beträgt 210mm.

Abbildung: industriell gefertigte Rundbohlenwand
Doppelblockwand
Bei der Doppelblockwand bestehen beide Schichten aus Blockbalken mit kleineren Abmessungen, zwischen die eine Wärmedämmung eingebracht wird.
Diese Dämmung kann durch Schüttungen hergestellt werden. Am besten eignet sich hierfür Korkschrot. Durch den höheren Holzverbrauch ist dieser Wandaufbau etwas teurer als eine einschalige Wand, jedoch werden mit ihr deutlich bessere Wärmedämmwerte erreicht.
Zudem wird die Luftdichtigkeit des Gebäudes erhöht. Bei einem doppelschaligen Wandaufbau muss darauf geachtet werden, dass sich die Wandschalen, aufgrund der verschiedenen Luftfeuchtigkeit der sie ausgesetzt sind, unterschiedlich setzen.

Abbildung: Doppelschalige Außenwand
Abgedichtet werden die Außenwände durch Dichtungsbänder in den Zwischenräumen der einzelnen Balkenlagen. In Eckbereichen und Innenwandanschlüssen werden zusätzliche Dämmstreifen verarbeitet um Fehlstellen in den Verbindungen auszufüllen.
Um das Setzen der Konstruktion durch freistehende Stützen nicht zu behindern, werden diese mit einem höhenverstellbaren Stützenfuß versehen. Nach der Fertigstellung des Gebäudes müssen diese in größeren Abständen nachjustiert werden.
Damit der Schornstein bei dem Setzungsvorgang des Wohnblockhauses nicht beschädigt wird, ist er gelenkig mit dem Dach verbunden. Selbiges Prinzip wird bei dem Anschluss Dach – Außenwand verwendet.

| |  |
Abbildung: Dichtung in Eckverkämmung | | Abbildung: höhenverstellbarer Stützenfuß |
Zurück